Corona-Hochzeit

oder „wie unser großer Tag tatsächlich zu etwas ganz Besonderem wurde“

Ein Nachteil, wenn man mit 31 Jahren heiratet ist der, dass man schon auf vielen anderen Hochzeiten war. Zumindest war das bei mir der Fall. Und vielleicht klingt das seltsam und etwas bescheuert, aber mein Anspruch war es, meine eigene Hochzeit oder zumindest Teile davon, so zu gestalten, wie es noch kein anderer vor mir getan hatte. Sie sollte einzigartig und etwas Besonderes werden. 

Aber da hätte ich mir im Vorfeld gar nicht so viele Gedanken machen müssen – Covid 19 hat mir tatsächlich eine ganz besondere Hochzeit beschert. Und mich außerdem einige Nerven gekostet. Aber alles in allem, bin ich doch erstaunt darüber, wie gelassen ich das alles aufgenommen und verarbeitet habe.

Die anderen Mädels vom Blog meinten, dass sie einen Beitrag zu unseren Hochzeitsvorbereitungen während der Corona-Krise spannend fänden. Deswegen versuche ich, hier ein wenig davon zu berichten.

Vorbereitungen und das große Ungewisse

Da unsere Hochzeit im Juni geplant war, war es über einen längeren Zeitpunkt hin abzusehen, dass wir unsere Gästeliste radikal kürzen müssen. Es war ein furchtbares Auf und Ab, wie viele es denn schlussendlich sein würden. Unser Pastor beteuerte uns, dass er uns auch über Skype trauen würde – denn auf unbestimmte Zeit verschieben wollten wir die Hochzeit nicht. Das stand für uns ziemlich schnell fest. Dennoch hofften wir, dass wenigstens unsere Eltern, Geschwister und engsten Freunde bei der Hochzeit dabei sein könnten. Zu dieser Zeit waren die Empfehlungen und Bestimmungen sehr schwammig und genaue Informationen der Städte in der Umgebung darüber zu bekommen, was denn möglich wäre, gestaltete sich als fast unmöglich. Niemand konnte oder wollte klare Aussagen tätigen und ich war nahe daran zu verzweifeln.

Ich bin jemand, der gerne im Vorhinein plant und weiß, was auf sie zukommt. Und dieser Zustand in der Schwebe war äußerst kräftezehrend für mich. Aber Gott hat uns da durch getragen und es gab erstaunlicherweise nur zwei oder drei Tage, an denen es mir wirklich schlecht ging wegen dem Ganzen. An den anderen Tagen haben wir halt einfach immer weiter gemacht und ausgelotet, was möglich ist. 

Aber zurück zu unserer Gästeliste: 150 ursprünglich geladene Gäste wieder auszuladen – keine schöne Sache! Zum Glück waren alle sehr verständnisvoll und so schrumpfte die Liste auf 50 Personen zusammen. Hauptsächlich Verwandte durften nicht mehr kommen. Meine Verwandtschaft ist recht groß und es schien mir unmöglich zu entscheiden, welche Cousine dabei sein und welcher Onkel nicht mehr kommen sollte. So wurden sie allesamt ausgeladen und übrig blieben nur unsere Eltern, Geschwister, Großeltern und engsten Freunde. Alle anderen wurden mit einem Livestream vertröstet. 

Liebling wollte von Anfang an lieber eine kleine Hochzeit und so wurde wenigstens dieser Wunsch erfüllt. Wir einigten uns zudem darauf, dass wir auch bei noch eventuell kommenden Lockerungen die Gästeanzahl nicht mehr erhöhen würden. Ich war einfach froh, zu wissen, mit wie vielen ich rechnen konnte und dass ich jetzt in der Lage war, mich Deko-technisch darauf vorzubereiten. 

Obwohl zu dem Zeitpunkt natürlich auch schon einiges gelaufen war – zum Beispiel waren 200 Servietten mit Buchseiten-Banderole einschließlich unserem Hochzeitslogo schon gefaltet und über 200 Candybar-Tüten von Liebling eigenhändig per Stempel mit unserem Logo versehen worden. Aber so wird wohl einfach noch eine ganze Weile jeder Gast hier bei uns Zuhause eine salbeigrüne Serviette an seinem Platz finden und die Tütchen werden in ein paar Monaten wahrscheinlich zu Adventskalender-Päckchen umfunktioniert.  

Wir trafen Vorbereitungen dafür, dass genügend Desinfektionsmittel vorhanden war und auf das Abstand-Halten hingewiesen wurde. Außerdem wollten wir unseren Gästen verbieten uns bei den Gratulationen nach der Trauung zu umarmen und stellten einen Tischplan mit genügend Abstand und möglichst nur zwei Haushalten pro Tisch auf. Meine Horrorvorstellung war eine Trauung, bei der ich einen Mundschutz tragen muss, aber da bin ich zum Glück, dank des Abstands, drumherum gekommen. (Das Titelbild war also nur eine Ausnahme im Shooting mit der wundervollen Annelie Völker – ein Blick auf ihr Instagram-Profil lohnt sich!) 

Circa zwei Wochen vor dem großen Ereignis erfuhren wir dann, dass wir die Räumlichkeiten, in denen das Ganze stattfinden sollte, so nicht nutzen dürfen. Hier war es schwierig die Verantwortlichkeit an uns als Gastgeber der Feier zu übertragen und wir mussten umdisponieren. Es wurde deutlich, dass die Hochzeit draußen stattfinden musste, weil die Bestimmungen hier lockerer waren. Nicht nur die Trauung, wie es sowieso von Anfang an geplant war, sondern auch die gesamte Feier. Das heißt, die Wetterfrage war noch entscheidender als sowieso schon und wir mussten einen Garten oder ähnliches finden, mit Besitzern, die uns ihn trotz der Grauzone, in der wir uns höchstwahrscheinlich bewegen würden, nutzen lassen würden. 

Außerdem mussten wir innerhalb weniger Tage genügend Pavillons zusammensammeln, damit unsere Gäste wenigstens etwas Schutz vor der Sonne oder etwaigem (hoffentlich nur leichtem) Regen finden würden. Außerdem war es so leichter, schon am Tag vor der Hochzeit wenigstens einen Teil der Tische, Stühle und Deko dort aufzubauen. Das war ein großer Stressfaktor für mich. Aber überall stießen wir auf bereitwillige Verleiher und hatten in Rekordzeit genügend Pavillons zusammen. 

Und die Location klärte sich zum Glück auch kurz darauf. Schlussendlich hatten wir sogar eine offizielle Genehmigung vom Ordnungsamt vor Ort, so dass wir nicht bei jedem vorbeifahrenden Auto Angst haben mussten, dass die gesamte Gesellschaft gleich aufgelöst wird.  

Hinzu kamen dann noch die üblichen „Hochzeitspannen“, wie die kurzfristige Suche nach Kellnern, weil wir uns zu spät darum gekümmert hatten. Aber das wäre uns wohl auch bei einer „normalen“ Hochzeit passiert. Obwohl ich mittlerweile nicht mehr an normale Hochzeiten glaube. Ich denke, fast jede Feier dieser Größe und Wichtigkeit hat ihre Höhen und Tiefen und Dinge, die nicht so laufen, wie sie sollten und improvisierte Lösungen, die auf den letzten Drücker gefunden werden. 

Der große Tag

Auch der Hochzeitstag selbst war vor Pannen nicht verschont. Vormittags war es so stürmisch, dass die draußen gerade aufgebaute Tischdeko ständig herunter geweht wurde und unsere lieben Helfer ihre Not damit hatten. Davon ahnten wir nichts, wir hatten zu dem Zeitpunkt mit unserer Fotografin und unseren Brautjungfern + Trauzeugen beim Fotoshooting Spaß und haben die Zeit dort richtig genossen. 

Der Livestream von der Trauung für alle zwangsweise Zuhause-Gebliebenen brach nach 10 Minuten ab und konnte nicht mehr zum Laufen gebracht werden. Zum Glück ahnten wir auch davon nichts und die Kameramänner filmten brav weiter, als sei nichts gewesen. Erst hinterher berichtete man uns davon. Immerhin konnten die Zuschauer uns beide sehen, meine Erscheinung im Brautkleid an Papas Arm und meinen gerührten Liebling neben seinem Papa und seinen Trauzeugen. Auch die Begrüßung unserer Papas haben sie noch mitbekommen und vom Rest müssen jetzt eben die reine Audioversion (die Tonaufnahme hat funktioniert) und Fotos reichen. 

Das Wetter hätten wir uns schöner nicht wünschen können. Nachdem der Tag vor der Hochzeit sehr durchwachsen und bewölkt war schien nun die Sonne und der Wind (der sich nachmittags zum Glück etwas legte) war eine willkommene Erfrischung. 

Ein Highlight war noch die Drive-In-Gratulation für alle die nicht bei der Trauung dabei sein durften. Sie hatten die Möglichkeit, mit dem Auto vorzufahren und uns aus dem Fenster heraus zu gratulieren, ein Glas Sekt zu bekommen und wenigstens kurz mit uns zu plaudern. Dass haben tatsächlich Einige in Anspruch genommen und wir haben uns über jeden einzelnen dieser Besucher sehr gefreut! 

Rückblick

Eine Woche nach der Hochzeit meinte Liebling erleichtert, dass wir jetzt eine Woche ohne Meldungen einer Ansteckung hinter uns hätten. Jeder Tag mehr war eine Erleichterung und jetzt, mehr als einen Monat nach der Hochzeit sind wir wohl glücklicherweise aus dem Schneider. Für eine Verbreitung von Corona verantwortlich zu sein, hätte für immer einen bitteren Nachgeschmack auf unsere Hochzeit gelegt. Wir sind sehr froh, dass dies nicht der Fall ist.  

Wir können ohne Reue oder Verbitterung auf unseren Hochzeitstag zurückblicken und haben ihn wahnsinnig genossen. Mehr dazu könnt ihr in ein paar Tagen in dem Blog-Beitrag „Wedding-Day“ lesen. 

Gott hat uns mit unserer wunderschönen Hochzeit reich gesegnet und so kann ich in dieser seltsamen und verrückten Zeit, in der wir gerade leben, für mich persönlich sagen: „Eine Corona-Hochzeit ist eigentlich gar nicht so schlimm!“. Und Bilder mit Mundschutz hat ja auch nicht jedes Brautpaar.  

Ein Kommentar zu “Corona-Hochzeit

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