TÖCHTER

5 Frauen beschreiben wie sie Familie erlebt haben und erleben. Sie stellen sich die Frage,
welche Rolle sie in der Familie einnehmen und was sie aus ihrer Herkunftsfamilie für ihr
eigenständiges Leben mitnehmen.

TOCHTER MELISSA

Meine Vorfahren sind um die halbe Welt gereist, um einen Ort zu finden, an dem sie ihren Glauben frei ausleben konnten und Frieden hatten. Jedes neue Zuhause hat sie beeinflusst und seine Spuren hinterlassen. So sehr, dass Wörter wie „Arbus“* und „piscina“ oder „bichos“** aus den Mündern meiner Großmütter ganz normal für mich sind. Ich liebe diesen Mix aus russischer, südamerikanischer und deutscher Kultur. 

Seitdem ich mit Liebling zusammen bin, ist es spannend, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken. Da er in Kasachstan geboren wurde, lerne ich immer mehr, welche Gerichte und Verhaltensweisen meiner Familie anscheinend dort ihren Ursprung haben. 

Diese Kulturen haben unsere Familien und uns geprägt, wir können sie nicht einfach abschütteln, auch wenn wir wollten. Und nun treffen diese unterschiedlichen Prägungen tagtäglich in unserem frischen Eheleben aufeinander. Ich bin froh, über die vielen Gemeinsamkeiten und fasziniert von den Unterschieden. Sie können eine Herausforderung aber genauso auch eine Bereicherung sein. 

Ich bewundere meine Vorfahren für ihren Mut und ihr Durchhaltevermögen. Meine Familie spiegelt sich in mir wider und ihre Prägung zieht sich durch mein Leben. Manches möchte ich so fortführen und manches anders machen oder lieber so, wie es in der Familie von Liebling gehandhabt wird. Wir beide müssen jetzt herausfinden, welche Werte uns selbst wichtig sind und was wir in unserer kleinen Familie umsetzen wollen und unseren (zukünftigen) Kindern als „Erbe“ mitgeben wollen.

Ansonsten schlage ich mich, genau wie wohl viele andere Töchter, damit herum, nicht so werden zu wollen wie meine Mama. Kennt ihr das? So viele Dinge, die sie gesagt, von mir verlangt oder getan hat, haben mich früher gestört. Dennoch häufen sich in den letzten Jahren die Momente, in denen ich realisiere, dass ich genauso handle oder rede wie sie. Und frage mich jetzt: „Ist das wirklich so schlimm??” Meine Mama ist eine tolle Frau und ich bewundere sie. Und mittlerweile bin ich wohl endlich alt genug, zuzugeben, dass sie mit so einigem, dass mich als Teenager genervt hat, recht hatte. 

Bei den Dingen, die ich trotzdem anders machen möchte, versuche ich, gegen die Tendenzen zu arbeiten in die gleichen Verhaltensmuster zu fallen. Und bei allem anderen – bin ich froh, eine großartige Mama zu haben von der ich viel lernen durfte und dass man sie in mir wiederfindet. 

*(Plattdeutsch bzw. Russisch/ Polnisch für „Wassermelone“)

**(Spanisch für „Pool“ und „Ungeziefer“ – bei meiner Oma „Mücken“)

Zum Weiterdenken:

Wo möchtest du gegen deine Prägung „ankämpfen“ und wo ist dieser Kampf überflüssig? Nicht weil du sowieso nicht dagegen ankommst, sondern weil es Energieverschwendung ist und gar nicht so schlimm, wenn du die Verhaltensmuster deiner Eltern übernimmst.  

How to handle a woman like me:

Mache mich gerne (wertungsfrei) darauf aufmerksam, wenn ich mich so verhalte wie meine Mama – dann kann ich selbst entscheiden, ob ich das gut finde oder etwas daran ändern möchte…

Hier kannst du noch mehr von Melissa lesen.

TOCHTER ANNA

In meiner Familie bin ich nicht nur Tochter, sondern auch Schwester, Schwägerin, Nichte, Cousine und seit kurzem auch Tante. Ich bin ein Mensch, der sehr positiv denkt und ist, deshalb wundere dich nicht, wenn in diesem Beitrag die positiven Erfahrungen hier viel deutlicher hervor stechen, sicher habe ich auch nicht so schöne Erfahrungen gemacht. Für diesen Beitrag habe ich aufgeschrieben, was mir besonders in Erinnerung geblieben ist und was mich dabei geprägt hat! Heute bin ich Gott so unendlich dankbar, dass ich in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen bin und Gott immer dazu gehörte. Eine wichtige Rolle in der Familie spielte Gastfreundschaft und ein offenes Haus. So war es nie verwunderlich, wenn bei den Mahlzeiten einfach ein oder zwei Personen mehr am Tisch saßen – meist Nachbarskinder. Was mir an dieser Stelle erst nochmal so richtig aufgefallen ist, ist dass meine Mama ihre Singlefreundinnen bewusst eingeladen hat und wir immer so was wie ihre Ersatzfamilie waren und heute glaub ich auch noch immer sind. In meiner Familie half es klare Strukturen und eine gute Zeitplanung zu haben, wie auch gemeinsames Abendessen, der Sonntag ist ein Ruhetag und auch eine Familienaktion am Sonntagnachmittag zum Beispiel ein Besuch im Zoo. Meinen Eltern war es wichtig uns als Geschwister zu fördern und zu fordern. So hatte jeder schon früh seine Aufgaben, für die er Verantwortung übernommen hat, das werden alle Kinder aus Großfamilien kennen. Dazu gehörte auch, dass alle kochen mussten, um uns schrittweise auf das spätere Leben vorzubereiten. Ich glaube, dass es niemand geschadet hat. Meiner Familie sind Menschen wichtig, sie bringt ihnen Wertschätzung entgegen, ob Single, mit Handicap oder Gäste, jeder gehörte dazu und war herzlich willkommen. Eines ist mir in den letzten Jahren viel deutlicher geworden, denn meine komplette Familie hat ein dienendes Herz. Ich glaube nur deshalb gibt bei uns einige Ärzte und Krankenschwestern in der Familie. Besonders dankbar bin ich dafür, dass wir als Familie auch heute in schweren Zeiten zusammenrücken und gemeinsam beten. Ich sehe es als Geschenk und Segen, denn alle meine Geschwister leben als Christen, jeder ist so einzigartig begabt, hat seine Gaben weiter entwickelt und bringt sich in Gottes Reich ein.

Zum Weiterdenken:

  • Was hat dich in deiner Familie geprägt und beeinflusst heute noch deine Persönlichkeit? Stelle dich dem Thema nochmal, auch wenn es vielleicht nicht leicht ist, denn ich glaube du wirst mehr geprägt als du denkst !
  • Wie erlebst du dich als Single in deiner Familie?

How to handle a woman like me:

In den letzten Jahren fällt mir auf, wie wichtig meine Rolle als Älteste auch entscheidend für meine Persönlichkeitsentwicklung war. So habe ich mich schon früh mit dem Thema Verantwortung auseinander gesetzt und ist mir heute sehr wichtig. Wer mich kennt weiß, dass ich es mag Gäste zu haben und eine schöne Atmosphäre zu schaffen. Mir hat vor ein paar Jahren mal jemand gesagt, dass ich voll der Familienmensch bin. Ja, ich glaube auch als Single kannst du ein Familienmensch sein und ich bin so unendlich dankbar für meine Familie. Klare Strukturen und gute Zeitplanung hat mir dabei geholfen Sachen und Dinge terminlich zu planen, zu trainieren und einzuhalten. Seit Jahren ist mir so wichtig jedem Wertschätzung entgegen zu bringen, Menschen zu dienen und in sie zu investieren. In der Berufswahl spielte die Prägung schon eine entschiedene Rolle, deshalb wundere ich mich nicht wirklich, dass ich heute in einem sozialen Beruf arbeite. Ein Ruhetag ist auch mir wichtig und heilig, auch wenn es nicht unbedingt immer möglich durch meinen Job am Sonntag ist.

Hier kannst du noch mehr von Anna lesen.

TOCHTER DORINA

Ich bin die Jüngste in meiner Familie, bin mit zwei älteren Brüdern aufgewachsen und war erprobt im Buden bauen und raufen. Meine Interessen und Vorlieben haben sich natürlich verändert, aber meine Abenteuerlust und der Mut Dinge auch mal anders zu machen sind geblieben. 
Vor drei Jahren habe ich das erste Mal mit meinen Brüdern darüber geredet, wie wir unsere Rollen in der Familie früher wahrgenommen haben. Wir fanden das super spannend und haben uns für ein Wochenende in eine Ferienwohnung eingemietet und dort intensiv über Früher gesprochen. 
Gesschwisterkonstellationen zu betrachten finde ich faszinierend! Bei Studien gibt es immer wieder andere Ergebnisse, aber hier mal ein paar kleine Anhaltspunkte:
Laut Frau Stähtli Radelfinger lassen sich bei die ältesten Geschwister meist Verantwortungsbewusstsein, Ordentlichkeit, gute Organisation und Strukturiertheit, Exaktheit, Perfektionismus und ein analytischen Charakter erkennen.
Die jüngsten Kinder seien im allgemeinen kommunikativ, kreativ, phantasievoll, unabhängig und weniger ängstlich.
Die sogenannten Sandwichkinder seien laut Focus im Kinderalter oft Verhaltensauffällig, aber als Erwachsene glückliche Persönlichkeiten. Und sie entwickelten durch ihre Zwischenposition diplomatisches Geschick.
Ich als Jüngste bin bin kaum sicherheitsverliebt und habe ein starkes Grundvertrauen, dass alles schon irgendwie gut wird. Mir war schon früh klar, dass ich nach der Schule eine längere Zeit im Ausland sein wollte und beim Reisen ist immer mehr der Mut dazu gewachsen, nicht das zu machen was von mir erwartet wird, sondern erstmal zu schauen was ich will. Ich habe nach meinem Studium ein Sabbatjahr gemacht und bin immer weitere Schritte gegangen, um verschiedene Träume zu verwirklichen.

Zum Weiterdenken:

  • Wie sieht deine Geschwisterkonstellation aus und welche Rollen gibt es? Sprich doch mal mit deinen Geschwistern, wie es ihnen früher so ging, wie habt ihr verschiedene Situationen wahrgenommen?
  • Wie geht ihr in der Familie mit den unterschiedlichen Lebensstilen um? Welche Reaktion würdest du dir bei einer neuen Idee wünschen?
  • Welche Motive ziehen sich in deiner Familie und Verwandtschaft durch und welche nimmst du an und welche willst du ablegen?

How to handle a woman like me:

Ich liebe es neue Wege auszuprobieren. Wenn ich von einer neuen Idee erzähle, dann darfst du mich darauf hinweisen, was ich noch beachten könnte. Am meisten würde ich mich freuen, wenn auch die positiven Seiten dieser Idee nicht unbeachtet bleiben 😉

Hier kannst du noch mehr von Dorina lesen.

TOCHTER LAURA

Wenn man mich sieht würde man wohl meinen ich sei multikulturell aufgewachsen. Es gab auch schon diverse Kommentare fremder Personen, aus welchem Land ich wohl stamme, die meisten lagen mit ihrer Idee falsch. 

Mein Vater kommt aus Sri Lanka, einer kleinen Insel unter Indien. Meine Mutter ist Russlanddeutsche.

Interessante Mischung? Tja nun ist es so, dass ich aus der tamilischen Kultur so gut wie nichts mitbekommen habe. Es gibt nur ein paar Kleinigkeiten, die ich über die Kultur weiß. Das liegt daran, dass sich meine Eltern früh scheiden ließen. Da war ich gerade 6 Jahre alt. Also würde ich sagen ich bin Russlanddeutsch aufgewachsen. Ich hatte damit auch nie persönliche Probleme oder habe meine Identität in Frage gestellt. Für mich ist die tamilische Kultur fast genauso fremd wie vielleicht für dich. Mein Interesse das Land und die Kultur kennenzulernen ist genauso hoch, wie andere mir unbekannte Länder und Kulturen kennenzulernen. Es ist mir somit überhaupt nicht familiär. 

Meine Mutter stammt aus einer Großfamilie. Sie hat noch 9 weitere Geschwister. Dementsprechend erlebe ich Familie als sehr lebhaft, gemeinschaftlich und interaktiv. Es findet sich immer jemand, mit dem man was unternehmen kann, der Zeit für einen hat oder Hilfe anbietet. Ich erlebe meine Familie und besonders auch meine Schwiegerfamilie als sehr gastfreundlich und hilfsbereit. Ich weiß, dass ich jederzeit unangemeldet vorbeikommen kann oder mich melden darf, wenn ich Hilfe brauche. Das ist sehr viel wert und etwas, was ich definitiv auch in meiner Familie etablieren möchte. Für mich heißt Familie Zusammenhalt in allen Situationen, liebevolle Annahme, Ehrlichkeit und Zurechtweisung, Spaß und Freude, die wir miteinander teilen, gemeinsames Lachen und Weinen. 

Zur Zeit sind wir persönlich wieder in einer Phase, in der wir uns als Familie neu strukturieren müssen. Wir haben Ende August Zwillinge bekommen und sind nun mit unseren insgesamt drei Kindern ganz schön gefordert. Wir sind gespannt, wie sich unser Familienalltag verändert und wir die nächste Zeit gestalten dürfen.

Zum Weiterdenken:

  • Bist du multikulturell aufgewachsen? Wenn ja, wie erlebst du beide Kulturen in deiner Familie?
  • Wie meistert ihr euren Familienalltag, besonders mit Kleinkindern?
  • Welche Strukturen erleichtern euch den Alltag und wie schafft ihr es Zeit für euch persönlich zu nehmen?

Hier kannst du noch mehr von Laura lesen.

Ein Kommentar zu “TÖCHTER

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