BERUFENE

5 Frauen beschreiben, was Berufung für sie bedeutet, wie sie ihre Berufung gefunden haben und leben. Sie schreiben auch darüber, welche Rolle Träume, Visionen, Ziele und Gaben spielen.  

BERUFENE LAURA

Ich finde, eine Berufung kann man immer gut mit einer Reise vergleichen. Man bereitet sich auf ein konkretes Ziel vor, machmal gibt es Verzögerungen, Planänderungen, manchmal wechseln auch die Personen, die einen dabei begleiten. Es kann sogar sein, dass sich das Ziel ändert und man es erst unterwegs merkt. Es gibt vielleicht viele Zwischenstationen, die wie Schranken wirken und doch schlussendlich zum Ziel führen oder eine innere Veränderung bewirken. Mir und meinem Mann ist über die Jahre wichtig geworden, dass wir offen bleiben, für all das was Gott für uns vorsieht. Wir hatten am Anfang unserer Ehe teilweise unterschiedliche Vorstellungen vom Leben, Visionen und Träume, die jeder aus seinem Single Leben mitgebracht hat. Klar, dass die nicht immer sofort übereinstimmen. Unsere anfängliche gemeinsame Vision ist zur Zeit auf Eis gelegt, weil sich bisher keine offenen Türen dahingehend gezeigt haben. Wir haben für die nächste Zeit eine andere Vision entwickelt, was aber nicht heißt, dass wir die erste komplett über Board werfen. Sie bleibt in unserem Herzen bis Gott sagt, dass es nun an der Zeit ist.

Beruflich gesehen habe ich eine Weile gebraucht, bis mir klar wurde, was zu meinem Charakter passt, was mir Freude bereitet und wo Gott mich einsetzen möchte. Ich habe mich noch nie so sicher am Platz gefühlt, wie in meinem Studium und zur Zeit zuhause als Mama. Oft werde ich gefragt, ob ich jetzt- nach dem Studium- nicht gerne arbeiten möchte. Eine tolle Arbeitsstelle würde mich schon reizen, aber ich weiß, dass ich genau jetzt Zuhause richtig eingesetzt bin. Darüber habe ich tiefen Frieden und es wird immer noch die Zeit geben, in der ich andere Aufgaben bekomme. 
Uns als Familie ist es besonders wichtig, dass wir offen sind, Gottes Ruf zu folgen, egal wohin. Und wenn es vielleicht nie dazu kommen wird, dass wir Auswandern, in die Mission gehen oder sonstiges. Dafür offen bleiben- das wollen wir. Es muss nicht eine große Vision geben, auf die alles aufgebaut werden muss. Es kann viele kleine Berufungen im Hier und Jetzt geben. Besonders als Ehefrau und Mutter denke ich öfter darüber nach, ob ich mich zu sehr in meinem gemütlichen Zuhause mit Mann und Kind und Garten ausruhe. Immer wieder erinnert mich Gott daran, im Hier und Jetzt zu leben. Hier und Jetzt Zeugnis und Hilfe für Andere zu sein. Man muss nicht erst irgendwo Jahre lang in den Busch gehen, um evangelisieren zu können. DU kannst HIER und JETZT Gottes Liebe weitertragen, egal ob alleinstehend oder mit deiner Familie. Klar, ich würde mal behaupten als Single ist es einfacher sich von allem loszulösen und in die „Welt“ zu gehen. Aber auch als Familie gibt’s keine Ausreden 🙂

Zum Weiterdenken:

Gib Gott ein offenes Herz, für seine Pläne! Es geht schließlich um ihn und nicht um dich!
Solange du keine konkrete offene Tür oder Antwort bekommst, setze dich vor Ort ein, in deiner Gemeinde, in dem Kindergarten oder der Schule deiner Kinder, im Verein oder ähnlichem. Bringe Gottes Liebe in die Räume, die du betrittst, allein oder mit deiner Familie. Beziehe deine Kinder mit ein und besonders deinen Mann, pflege Kontakt zu deinen Nachbarn, anstatt dich zurück zu ziehen. 

How to handle a woman like me:

Ich habe den Eindruck, dass Singles und Familien zu diesem Thema sehr unterschiedliche Meinungen haben. Vielleicht klingen bestimmte Vorstellungen in deinen Ohren klein, bedeutungslos und nicht innovativ genug. Ich denke, es muss nicht immer erst etwas neues, großes erschaffen werden, um einen Traum ausleben zu können. Zudem hat mich dieser Satz mal überrumpelt: 
ES GIBT ERFÜLLTES LEBEN TROTZ UNERFÜLLTER WÜNSCHE. Weil es letztlich nicht um uns und unsere Wünsche / unser Ego geht, sondern um Gott. Es geht um seine Wünsche. Wir sind nur die ausführenden Diener Gottes, die seinen Plan erfüllen, zu seiner Herrlichkeit.

Hier kannst du noch mehr von Laura lesen.

BERUFENE DORINA

“Das ist die perfekte Welle, das ist der perfekte Tag, lass dich einfach von ihr tragen… “
Berufung ist abstrakt und schwer greifbar. Es ist so wie Wellen einzufangen zu wollen. Ich kann sie nicht in einem Glas einfangen, aber ich kann sie im Moment erleben und ihre Power nutzen, um drauf zu surfen und voran zu kommen. 
Genauso wie ich gerade dabei bin surfen zu lernen, beschäftige ich mich intensiv mit meiner Berufung und meinen Träumen.
Mein Traum war es, nach meinem Studium unterwegs zu sein und meine Träume zu verwirklichen. Ich habe in einer Skischule gearbeitet, aber wurde gekündigt. Ich bin ich nach Gran Canaria gereist, um in einem Hostel zu arbeiten, doch plötzlich kam der Shutdown und ich musste abbrechen. Im Bild gesprochen habe ich versucht zu surfen, aber ich bin runter gefallen oder musste vom Board springen. Das ist beim Surfen lernen normal. Ich nehme diese Rückschläge als Training wahr. Die nächste Welle kommt bestimmt und nun bin ich wieder zuhause und kann mich einem anderen Traum widmen, dem Tinyhousebau. Der vorgestellte Traum ist meine Antriebskraft, die Power die das Surfboard schiebt. Das unmöglich Scheinende wird möglich. Mich fasziniert die Geschichte, in der Jesus auf dem Wasser läuft und Petrus es nachmacht. Eine Berufung birgt das Potenzial das Unmögliche zu wagen und zu schaffen. Das fasziniert mich. Das wünsche ich mir. 

Die Berufung des Surfboards ist klar. Der Surfboardbauer hat es dafür geschaffen den Surfer auf der Welle zu tragen. Doch meine Berufung ist mir noch nicht ganz klar und ich finde es schwer sie zu erkennen. Ich weiß, dass Gott etwas Großes mit mir vorhat, denn er hat für jeden eine große Vision. Also habe ich mir letzte Woche ein paar Tage Zeit genommen und meinen Schöpfer gefragt, was meine Berufung sein könnte. Ich habe keine große Erleuchtung gehabt, aber mir ist nochmal klar geworden geworden, dass ich mir bewusst eine Auszeit genommen habe, um meine Träume zu verwirklichen und Gaben zu entdecken und weiterzuentwickeln. Und jetzt ist es dran, mich darauf zu fokussieren.

Mein Vater hat mir mal gesagt: “Wenn du vor einem großen Berg stehst, kannst du ihn erklimmen, indem du einfach einen Fuß vor den anderen setzt, das ist alles”. Ich denke der Weg ist ein Teil des Ziels. Erstmal ist jeder Mensch dorthin berufen, wo er sich gerade befindet. Das Große Ganze besteht aus vielen Kleinigkeiten. Das Einzige, was wir im Moment haben, ist das Hier und Jetzt. Und genau dort versuche ich zu leben, frei nach dem Motto: „Freu dich an deiner Jugend (…) und leb unbeschwert in deinen jungen Jahren! SCHLAG DEN WEG EIN, ZU DEM DEIN HERZ SICH HINGEZOGEN FÜHLT, UND TU, WAS DEINEN AUGEN GEFÄLLT. Aber vergiss nicht, dass du dich vor Gott für alle deine Taten verantworten musst.“ (Prediger 11,9 – NLB)

Zum Weiterdenken:

  • Fragen die ich mir in meiner Beziehung stelle: Was ist meine Berufung und passt sie mit der meines Partners überein? Was sind meine (Lebens-) Träume? Kann sich mein Partner ähnliches vorstellen oder irgendwas gar nicht? Wie könnte eine gemeinsame Vision aussehen?
  • Beim Träumen ist es wichtig den ersten Schritt zu wagen. Just try it. 

How to handle a woman like me:

Im Moment befinde ich mich in einer Auszeit, ohne festen Job und entwickle und lebe Träume. Das mag für viele ungewöhnlich und naiv scheinen, für mich ist es aber gerade ein wichtiger Prozess und eine große Freiheit. Ich freue mich, wenn du das nicht direkt verurteilst, sondern versuchst, Verständnis dafür zu entwickeln. 

Hier kannst du noch mehr von Dorina lesen.

BERUFENE ANNA

Diese Sätze kennst du sicher:
„Du hast eine Berufung!“
„Mein Beruf ist meine Berufung!“
Oder die Frage: „Kennst du deine Berufung?“

Willst du deine Berufung finden? Wenn du dich neu oder wieder neu mit dem Thema beschäftigst, so wie ich für den diesen Artikel, würde ich als aller erstes sagen:
* Du bist berufen Kind Gottes ja auch Tochter Gottes zu sein
* Du bist dazu berufen Salz und Licht zu sein

Die weiteren wichtigen Bausteine für ein „Berufungsbild“
* Gaben und Talente, Träume, Visionen, Ziele und Motivationen 
* Bestandsaufnahme, Gabenneuentdeckung und Vertiefung 
* Tests und Ausprobieren von Neuen
* Das was ich merke,was mir liegt und mir leicht von der Hand geht,
aber auch die Frage: “Wie und wo kann ich diese in der  Gemeinde, Beruf oder Gesellschaft einbringen?
Da ich schon sagen würde, dass ich meine persönliche Berufung als Zusammenspiel aus allen Punkte im Moment  gefunden habe, möchte ich ich bewusst mehr auf dem Punkt 2 in der Liste eingehen. Aber es gibt vorher noch eine Sache, die mir bei Gaben und Talente aufgefallen ist: Jede hat eine Gabe und mittlerweile glaube ich immer mehr, dass uns Gott jede einzelne so kreativ gestaltet hat, wo er Humor beweist und uns mit nicht nur einer Gabe ausstattet sondern mit vielen. Wichtig sind auch Talente, die dir dabei helfen können deinen Berufswunsch einzugrenzen! Ich hab in den letzten Jahren immer wieder mal (nach gewissen Abständen) für mich so eine Art Bestandsaufnahme,  Gabenneuentdeckung und Vertiefung zum Beispiel durch Tests gemacht und den wichtigen Schritt den Mut zu haben neues auszuprobieren, auch wenn es nicht klappt. Das alles hat mir dabei geholfen neue Aufgaben wahrzunehmen, denn bei den Gemeindeaufgaben ist erst vor ca. 2 Jahren wieder was dazu gekommen. Was als letztes bewusst erst dazu gekommen ist, ist die Aufgaben in der Frauenarbeit. Eigentlich hat Gott mir schon vor ein paar Jahren ein Herz für Frauen und Frauenarbeit geschenkt (was er auf einer Frauenkonferenz tat), besonders aber auch die Ermutigung von Frauen in meinem Umfeld, ist mir immer wichtiger geworden – aus dieser  Motivation ist übrigens der Hauskreis für die Mädels, ein Adventskalender entstanden und ehrlich gesagt auch irgendwie die Idee des Blogs. Träume, Ziele und Visionen und Motivationen sind ja sehr individuell! In der Vorbereitung für diesen Text habe ich bewusst meine Liste mit den Träumen und Visionsideen wieder rausgesucht und war schon überrascht, was da alles steht, weil ich die Liste schon länger nicht mehr aktualisiert habe! Ich versuche bewusst mir jedes Jahr neue Ziele zu setzen und dann versuche sie auch zu erreichen. Es gibt auch Leute, die erstellen eine Löffelliste von ihren Träumen. Auch als Single ist aber wichtig konkret seine Träume und Visionen aufzuschreiben und  umzusetzen, auch wenn vielleicht heißt, dass man zum Zeitpunkt dieses gefühlt alleine machen muss. Hier noch eine Ermutigung: Auch wenn du manchmal denkst dein Traum, dein Ziel und deine Vision ist noch so unerreichbar und unrealistisch, erst wenn du versuchst  konkrete Schritte zu gehen, kann es möglich und real werden.

Zum Weiterdenken:

  • Bevor du dich weiter mit dem Thema beschäftigst, denk dran deine erste Berufung ist immer: 
    • DU bist Kind Gottes und seine geliebte Tochter 
    • DU bist auf der Erde um Salz und Licht zu sein 
  • Gaben und Talente
    • Kennst du sie? Hast du sie bewusst für Gott in Gemeinde, Beruf oder Gesellschaft eingebracht? Wie hast du dich in dem Bereich weiterentwickeln können? Konntest du deinem Umfeld  Hilfe und Unterstützung sein? Wen kannst du unterstützen sie zu finden?
  • Träume, Ziele und Visionen und Motivationen:
    • Hast du diese für dich konkret formuliert in einem Buch, auf einer Liste, auf deinem PC,…? Was hast du davon schon erreicht? Neues geschaffen und umgesetzt? Hast du dir ein Limit gesetzt in welchen Abständen du deine Notizen wieder anschaust? 

How to handle a woman like me:

Meine Träume, Ziele und Visionen erzähle ich nicht sofort jedem. Aber ich mag es gemeinsam mit guten Freunden neue Visionen zu entwickeln.

Hier kannst du noch mehr von Anna lesen.

BERUFENE MELISSA

Ich habe schon immer gerne geschauspielert. Erst zum Ende meiner Schulzeit keimte in mir die Idee auf, dieses Hobby zu meinem Beruf zu machen. Ich habe lange mit mir gehadert und mich gefragt, ob das auch in Gottes Sinne ist. In dieser Zeit habe ich mir so oft gewünscht, dass Gott einfach durch eine Stimme vom Himmel zu mir spricht und mir sagt, was ich tun soll. Nach vielen Gesprächen und Gebeten bin ich schließlich zu dem Schluss gekommen, dass Gott mir das Talent und diese riesige Freude am Schauspielern ins Herz gelegt hat und ich es einfach wagen würde. So meldete ich mich zu einigen Aufnahmeprüfungen an. Das Vorsprechen an der letzten Schule für jenes Wintersemester lief in meinen eigenen Augen katastrophal. In der Garderobe betete ich „Herr, jetzt kannst nur noch du etwas tun!“ Und zwei Tage später bekam ich den Anruf, dass diese Schule mich gerne ausbilden würde. Es war glasklar für mich, dass Gott das gelenkt hatte und mein innerer Frieden und meine Freude waren selten so groß. Noch oft während meiner Ausbildung hatte ich die tiefe Gewissheit „Hier bin ich genau richtig!“. Die Ausbildungsstruktur war das was ich brauchte und ich selbst durfte Wegbegleiterin für andere sein und in ihr Leben hineinwirken. Es war mein von Gott geführter Weg.
Damals dachte ich, es sei meine Berufung als Schauspielerin zu arbeiten und dort wo ich bin, ein Licht zu sein. Doch jetzt bin ich Studentin und gebrauche diese Begabung hauptsächlich im
Gemeindekontext und beim Zeltlager. Und auch das macht mich glücklich. Das hätte ich mir damals nie träumen lassen. Aber es ist okay, denn ich denke, Berufungen ändern sich im Laufe des Lebens.
Jetzt liegt ein neuer Abschnitt vor mir, bei dem ich auch meine Gemeinde wechseln werde. Bisher durfte ich viel ausprobieren, in viele Bereiche reinschnuppern und meine Kreativität in den unterschiedlichsten Arten und Weisen einsetzen. In meiner neuen Gemeinde wartet jetzt vielleicht eine neue Berufung auf mich und ich habe schon viele Ideen, wie diese aussehen könnten. Aber ich möchte nicht einfach selbst loslegen, sondern viel Zeit mit Gott verbringen, um zu hören, was seine Pläne für mich sind.
Außerdem möchte ich herausfinden, was die gemeinsame Berufung meines Zukünftigen und mir ist. Was hat Gott mit uns als Paar vor? Und wenn Gott keine Stimme vom Himmel schickt – werden wir wohl auch da einfach Schritte wagen und sehen, wo sich Türen öffnen.

Zum Weiterdenken:

  • Manchmal braucht man nur ein wenig Mut, um den nächsten Schritt zu gehen und zu sehen, wohin es einen führt…
  • Orientiere dich nicht zu sehr an Anderen – Gott will mit dir seine ganz persönliche,
    individuelle, kreative Geschichte schreiben!
  • Manchmal schließen sich Türen und ganz unerwartete, vielleicht sogar ungewollte, öffnen
    sich – lass dich darauf ein und probiere es aus.

How to handle a woman like me:

Es ist etwas ganz Neues für mich, meinen Partner in meine Gedanken über meine Berufung mit
einzubeziehen. Jeder von uns hat seinen Platz im Leben gefunden, wir haben Leidenschaften
entwickelt und unsere Begabungen in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt. Können wir das kombinieren? Und wenn ja, wie? Dieser Prozess liegt jetzt vor uns…

Hier kannst du noch mehr von Melissa lesen.

BERUFENE DAMARIS

Ich gebe zu, dass mich das Thema Berufung schon manchmal sehr gestresst hat. Wie bei der Nadelsuche im Heuhaufen und je schneller ich fündig werde, desto weniger Lebenszeit vergeude ich für „Unwichtiges“. Als ob Menschen, die in ihrer Berufung leben, sich keinen normalen Dingen des Alltags mehr widmen, wie z.B. einzukaufen oder das Klo zu putzen. Vielleicht, wenn ein Stern auf dem Walk of Fame inklusive ist. 
Ich habe mich schon mit 10 gefragt, was meine Lebensaufgabe sein könnte und mich im Erwachsenwerden manchmal sehr schwer mit den Banalitäten des Alltags getan. Ich musste irgendwann merken, dass ich unheimlich empfänglich für abstrakte Themen dieser Art bin. Ich liebe bedeutungsschwangere Dinge, wenn meine Aufgaben in einen größeren Kontext verordnet sind. Noch nicht mal um der Aufmerksamkeit willen, einfach um Teil von etwas Größerem zu sein. 
Bei der Suche nach Berufung stößt man schnell auf das Thema Identität. Und wie gut, wenn man relativ schnell „zu sich gefunden“ und identitätstechnisch festen Boden unter den Füßen gewonnen hat. Ich habe dafür irgendwie länger gebraucht und meine Krisenthemen rotieren immer noch um mich, wie Planeten um die Sonne. Ein Glück meist mit etwas Abstand. 

Ich kann dir sagen, wie ich meine Identität festige und immer mehr herausfinde, wofür ich hier bin: Ich gehe zu dem, der mich gemacht hat und meine verschrobenen Seelenwindungen gestrickt hat. Wir diskutieren viel und ich stelle vor allem Fragen. 

Du bist es ja auch, der meinen Körper und meine Seele erschaffen hat, kunstvoll hast du mich gebildet im Leib meiner Mutter.

Psalm 139, 13 (NGÜ, manche Übersetzungen sprechen auch von „weben“ oder „stricken“)

Berufung ist für mich nicht an eine bestimmte Tätigkeit gekoppelt. Mir begegnet sie eher als Lebensthemen. Ich habe zwei und stoße in jeder Lebensphase aus einer anderen Perspektive darauf. Und ich glaube manchmal, dass Gott ganz schön viel Spaß daran hat, mich dafür auf immer neuen Boden zu stellen.

1 Authentizität und Ganzheitlichkeit ist der Grund, warum mein Mann und ich soviel Energie in einer Freikirche stecken. Ich möchte eine Kirche mitgestalten, in der mein individueller und suchender Glaube an Jesus einen Platz hat. Wo ich meinen Alltag mitbringen und Gott mit Menschen verschiedener Kulturen anbeten kann.
2 Kreativität als Nahrung und Ausdruck meiner Seele: Als hochsensibler Mensch muss ich irgendwohin mit all dem Input, den ich bekomme. Es gab eine Zeit, in der ich viele Songs geschrieben habe und mich durch das Medium Text besonders gut „entlasten“ konnte. Aktuell mag ich es lieber nonverbal durch Malen, ziemlich amateurhaft zugegeben. Allerdings brauchte ich hier etwas Zeit, bis ich Kreativität an sich genug Daseinsberechtigung zugestanden habe.  

Zum Weiterdenken:

  • Die Frage nach dem, wo du hingehst, hat oft damit zu tun, wo du herkommst. Scheue dich nicht, dich mit deinen Wurzeln auseinander zu setzen, aber bleib nicht dort stehen. Die Gegenwart ist am wichtigsten, um Weichen für die Zukunft zu stellen. Gott spricht nur in der Gegenwart, weil er ist.
  • Wenn du dich in meinen Zeilen wiedergefunden hast: Lass uns nicht alles zerdenken und das Leben mit all seinen 08/15 Facetten genießen. Ein schönes Zitat dazu:

Die Welt braucht nicht unbedingt noch mehr leidenschaftliche Klavierspieler. Aber sie braucht unbedingt noch mehr Menschen, die leidenschaftlich lieben. Mitten im „Normal“ des Alltags. […] Menschen, die sich von ihren pubertierenden Kindern stundenlang alle wichtigen YouTuber zeigen lassen. Menschen, die ehrenamtlich verletzte Fledermäuse aufpäppeln. Menschen, die ein Foto von ihrem Samstagnachmittagsesstisch schießen, von ihren stinkenden, verwelkten Blumen und der Plastikverpackung vom Fertigkuchen und damit Instagram unsicher machen. Wenn unser Leben nicht nur aus Hoch-Zeiten und Highlights, aus wehenden Haaren im Sonnenuntergang und leuchtenden Kinderaugen besteht, dann sind wir so, wie jeder andere Mensch auf dieser Welt. […] Wir sind Menschen. Das ist eine Ehre. Unser Leben wird nicht wertvoller, weil wir den Talentwettbewerb gewonnen haben. Weil wir etwas ganz besonders gut können. Oder ganz besonders große Probleme haben.“

(Jennifer Zimmermann: „Mut zum Mittelmaß“, Family Ausgabe 6/19, SCM Bundes-Verlag)

How to handle a woman like me:

Die Frage nach dem Sinn ist mir sehr vertraut – ich stelle sie bei fast allem, was ich tue. Wenn dir das manchmal zu haarspalterisch ist, hast du wahrscheinlich Recht und ich brauche deine Sicht auf die Dinge.

Hier kannst du noch mehr von Damaris lesen.

3 Kommentare zu „BERUFENE

  1. Damaris, I feel you. Ich bin jetzt seit einiger Zeit viel weniger in der christlichen Bubble unterwegs als früher. Letztens ist mir aufgefallen, dass das dazu geführt hat, dass das Thema „Berufung“ dadurch in meinem Leben erstaunlich viel weniger vorkommt. Und es ist so entspannend! Das Thema „Wo gehöre ich hin“ und „Was will ich“ ist natürlich trotzdem noch da. Aber meine Nichtchristlichen Freunde und über die Zeit hinweg auch ich gehen das irgendwie viel entspannter an, ohne dieses bedeutungsschwere Wort Berufung und viel mehr mit kleinen Fragen wie „Was kommt als nächstes?“

    Und ich würde gerne noch ein Zitat meiner weisen Mama beisteuern: „Früher haben die Menschen viel mehr Zeit am Tag damit verbracht, überlebenswichtige Dinge zu tun wie für ihre Nahrung zu sorgen oder ähnliches. Noch nie hatten Menschen so viel Zeit für anderes wie jetzt. Meinst du wirklich, die Menschen damals haben ihre Berufungen weniger gelebt als wir heute?“

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  2. Hey Sina, ja, manchmal tut etwas Abstand zu gehypten Themen gut und auch das Zitat deiner Mama enthält viel Wahrheit. Wie schön, dass du dich mit deiner aktuellen Umgangsweise mit dem Thema Berufung so wohl fühlst. Ich freue mich aber gleichzeitig, in einer Zeit zu leben und den Luxus zu haben, mir diese Fragen stellen zu dürfen. Weil Gott ein zeitloser, und damit immer zeitgemäßer Gott ist, freue ich mich, dass er mit diesen Fragereien und Identitätskrisen auch etwas anfangen kann 😀 Ich denke, allzu starr sollte das Thema Berufung nie werden und immer Feinjustierung oder auch ganz neue Ufer zulassen. Ich habe mir im Großen und Ganzen vorgenommen, mich in Entspanntheit, Gnade und dem Hören auf Gottes Stimme zu üben. Und das ist je nach Lebensphase manchmal eine ganz schön große Aufgabe 🙂

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