HAPPY MOTHERS DAY | VON DAMARIS

Passend zum Muttertag will ich über ein Thema schreiben, das eine Gruppe von Müttern betrifft, die größtenteils unsichtbar ist: Die Wunschmütter. 
Ich habe auch für eine Zeit dazugehört. Wir haben zwei Jahre gewartet, bis ich schwanger wurde. Für manche sind das „nur“ zwei Jahre, für andere „Alter, zwei Jahre!“. Ich kenne auch Frauen, die länger warten mussten oder es immer noch tun. Deswegen würde ich mich gar nicht zu den ersten Frauen zählen, die ihre Geschichte teilen sollten. Weil ich aber immer wieder erlebe, wie gut meine Offenheit anderen betroffenen Frauen tut, erzähle ich dir gern, wie es bei uns war. 
Vielleicht gibt es dir ein bisschen Solidarität, vielleicht ein bisschen mehr Hoffnung oder Verständnis. 

Unerfüllter Kinderwunsch. Nie hätte ich gedacht, dass mich das mal betreffen würde. Ich fand Säuglinge eigentlich immer ein bisschen gruselig und konnte mit Kindern erst ab 2 Jahren etwas anfangen. Aber selbst da war ein Großteil meiner Spielfreudigkeit wohl meinem eigenen, noch sehr präsenten inneren Kind geschuldet. 
Trotzdem wollte ich immer irgendwann Familie gründen. Ich bin selbst in einer Familie mit 4 Geschwistern, im Abstand von maximal 2 Jahren, groß geworden. Es war oft laut, anstrengend und wir haben uns manchmal ganz schön geprügelt, aber es überwogen eigentlich immer der Zusammenhalt, das Interesse füreinander und ein kollektiv geteilter Sinn für Humor.
In den ersten Jahre unserer Ehe wollte ich auf keinen Fall schwanger werden. Ich wollte mich erstmal beruflich festigen, einige Krisenthemen neu für mich reflektieren und eine Basis entwickeln, auf der eine wohlüberlegte Kindererziehung stattfinden konnte. Trotz dieses Plans bin ich irgendwie davon ausgegangen, dass ich – ups – eines Tages schwanger werde, um dann schon in alle entsprechenden Themen hineinzuwachsen. 
Als ich 27 war, fanden wir dann, dass so ein Baby uns langsam ganz gut stehen könnte. Da begann der Prozess des ganz bewussten Wartens. Doch passierte lange nichts und ich fing an mich zu fragen, was das alles zu bedeuten haben könnte. 

Zu dem persönlichen, inneren Prozess gesellte sich die veränderte Wahrnehmung meines Umfelds. Kommentare bezüglich Familienplanung, die sonst mit einem Achselzucken meinerseits erledigt waren, trafen plötzlich auf eine verletzlichere Fläche meiner Seele, von der ich bis dahin gar nicht wusste, dass sie existierte. Und es fing an mich zu ärgern.
Es nervte mich, wie selbstverständlich viele davon ausgingen, dass eine Schwangerschaft immer auf einer persönlichen Entscheidung beruhe, wie andere Frauen über Lieblingsjahreszeiten für die Geburten ihrer Kinder fachsimpelten oder ich gefragt wurde, ob ich denn keine Kinder wolle. Gleichzeitig wollte ich nicht in Watte gepackt werden und gleich Mitleid ernten, nur weil ich die Gesprächsrunde über Poausschlag und Popelsauger verließ, um mich einer anderen über für mich relevantere Themen zuzuwenden. Ich gebe zu, in diesem Stadium ist man manchmal kein einfaches Gegenüber. 
Ich war froh, mich trotzdem immer noch von Herzen mit anderen Schwangeren und Muttis mitfreuen konnte und die Zeit allein mit Harry (und Hundi) weiter genießen konnte. Aber in dieser Zeit ist mir klar geworden, wie wenig Bewusstsein eigentlich für Frauen und Paare in dieser Situation besteht. Ich kann mir nicht vorstellen, warum man sonst so einzigartig gedankenlose Dinge gesagt bekommen sollte, wie wir das manchmal erlebt haben. 

Was mich in dieser Zeit vor allem beschäftigt hat, war der Gedanke, wie eine alternative Lebensplanung ohne Familie aussehen oder was Gott stattdessen mit uns vorhaben könnte. Ich hatte wirklich Respekt davor, weil ich mir das Leben irgendwie anders vorgestellt hatte. Gleichzeitig hat es mich auch gereizt und mit Spannung erfüllt und wir haben uns eine Menge Szenarien überlegt, wie Familie noch gestaltet werden könnte und worin wir unsere Zeit investieren würden. Manches davon glüht auch jetzt, mit Baby, noch nach. 

Erst kürzlich fragte mich eine Freundin, wie ich denn diese Wartezeit überstanden hätte. 
Und ich glaube, wenn ich es zusammenfassen müsste, könnte ich es auf Folgendes reduzieren:
Wenn es Situationen gab, die mich aus dem Konzept gebracht haben (aufwühlende Begegnungen, komische Kommentare, Emotionalität), habe ich diese Gefühle wahrgenommen, sie aber nicht immer sofort zugelassen, sondern ihnen innerlich einen „Platz“ zugewiesen. Wenn ich dann Zeit und Ruhe dafür hatte, bin ich an diesen „Platz“ zurückgekehrt, habe mich damit konfrontiert und viel mit Gott geredet. Sozusagen meine Wunden gezeigt, damit er sie immer wieder neu pflegen und verbinden konnte.
Dadurch vermied ich einerseits, dass einzelne Menschen im Affekt meinen gesamten Unmut abbekamen und gleichzeitig wusste ich, dass dieser später noch seine Bühne bekommen würde. Weil er angebracht war.
Was weiter unheimlich geholfen hat, waren Menschen. Wir hatten einige gute Freunde an unserer Seite, denen wir uns ehrlich mitteilen konnten und die viel für uns gebetet haben. Eine Freundin befand sich in einer ähnlichen Situation und es hat gut getan, sich gegenseitig immer wieder zu wappnen. Einmal war auch eine Omi aus meiner Kirchengemeinde auf mich zugekommen und hatte ganz vorsichtig gefragt, ob ich mir ein Baby wünschte und sie dafür beten dürfe. Das hat sie seitdem getan und immer wieder nachgefragt. Ca. 1 Jahr später war ich schwanger und es war so schön, wie sie sich mitfreute. Leider bekam sie während meiner Schwangerschaft Metastasen und je näher die Geburt rückte, desto schlechter ging es ihr. Ich habe mir so sehr gewünscht, dass sie meine Tochter noch kennenlernen würde. Malou kam 11 Tage nach ihrem errechneten Geburtstermin und der Tag meiner eingeleiteten Geburt war leider auch der Tag der Beerdigung dieser großherzigen Frau. Mega traurig, ich weiß… Ich habe ein Blatt Papier mit dem Nachruf aufgehoben und werde ihn eines Tages Malou zeigen und ihr die Geschichte erzählen.

Ich glaube, dass Gott gut ist und mich nichts erleben lässt, einfach weil er mir Schlechtes wünscht. 

Würde etwa jemand von euch seinem Kind einen Stein geben, wenn es um ein Stück Brot bittet? Oder eine Schlange, wenn es um einen Fisch bittet?

Die Bibel: Matthäus 7, 9+10

Daran wollte ich unbedingt festhalten. Und Gott hat uns letztendlich mit so vielen liebevollen Details überrascht, als ich dann tatsächlich nach den zwei Jahren schwanger wurde. Er hatte wirklich an alles gedacht.

Das ist meine Geschichte. Was ist deine? Erzähl sie! Du wirst dich wundern, wie viele Frauen dir dankbar sind. Du kannst nur dazu gewinnen.

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